Die Angst vor Zurückweisung

Schwitzige Hände.

Du läufst auf und ab.

Du hast den Telefonhörer schon in der Hand, die Nummer ist gewählt und du legst doch wieder auf.

Zu viel Angst. Zu viel Angst, dass die Person am anderen Ende der Leitung dir eine Absage erteilt.

Kennst du das?

Wir alle haben ab und zu mit dieser Angst zu kämpfen. Sie lähmt uns, wenn wir um eine Gehaltserhöhung fragen wollen. Sie lähmt uns, wenn wir eine attraktive Person ansprechen wollen. Sie lähmt uns, wenn wir jemandem etwas sagen wollen, was ihm vielleicht missfällt.

Es ist die Angst vor Zurückweisung.

Ich kenne das von mir allzu gut. Wenn immer ich meine Eltern um etwas bitten wollte, von dem ich mir nicht sicher sein konnte, ob sie es gutheißen werden, hatte ich Angst. Mein Herz schlug mir bis zum Halse und ich habe mich stundenlang zwischen zwei Zimmerenden hin- und herbewegt.

Heute weiß ich: Ich hatte keine Angst vor meinen Eltern. Ich hatte keine Angst vor ihrer Reaktion.

Nein!

Ich hatte Angst vor mir. Ich hatte Angst vor MEINER Reaktion.

Was ist hier passiert?

Das Gehirn schüttet Stresshormone aus, sobald es eine Gefahr sieht. Es sorgt so für eine höhere Energieverfügbarkeit, damit der Körper schneller reagieren kann. Flucht oder Kampf. Der Säbelzahntiger will mir den Kopf abreißen, um mein leckeres Bauchfleisch aufzufuttern. Hier ist eine reale Gefahr gegeben.

Im Falle meiner Eltern gibt es eine solche Gefahr nicht.

Es gibt hier keine echte Gefahr. Ich habe keine Angst davor, dass sie ihre Stimme erheben, lauter werden und Konsonanten und Vokale in einer Reihenfolge aneinander bilden, die mir nicht gefällt.

Ich habe keine Angst davor, dass sie rot werden. Ich habe keine Angst davor, dass sie ihren Körper in einer bestimmten Art und Weise bewegen.

Wenn der Säbelzahntiger mir den Kopf abreißen will, habe ich im besten Fall wahnsinnige Schmerzen, im schlimmsten Fall bin ich tot. Wenn meine Eltern wütend werden, passiert mir in diesem Moment: Nichts.

Wovor habe ich wirklich Angst?

Die Angst, die ich hier wirklich verspüre, kommt aus mir selbst heraus. Es sind meine eigenen Bewertungen, meine eigenen Vorstellungen und – wie immer der größte Übeltäter – die Anhaftung an meine eigenen Gedanken.

Meine Eltern sind hier überhaupt nicht das Problem.

Ich habe tatsächlich Angst vor mir selbst, vor dem, was in meinem Inneren abgehen wird.

Ich habe Angst vor meinem eigenen Inneren Kritiker, dieser hässlichen, erbarmungslosen Stimme in mir, die alles mit einem riesigen Katastrophenfilter sieht und alle Schuld bei mir sieht.

  • „Er hasst mich jetzt.“
  • „Wie kann ich nur so dumm sein?“
  • „Sie hält mich für einen Idioten.“
  • „Das wird mich noch teuer zu stehen kommen.“
  • „Das habe ich falsch gemacht.“
  • „Typisch Ich.“
  • „Was kann ich eigentlich?“
  • „Das hätte ich nie fragen dürfen.“
  • „Das war wirklich anmaßend von mir.”
  • „Ich werde es nie zu etwas bringen.“
  • „Das war wieder der Beweis für meine eigene Unfähigkeit.“
  • „Er wird mir kündigen.“
  • „Die ganze Welt wird erfahren, was ich für ein Fehler bin.“
  • „Die war total außerhalb meiner Liga.“
  • „Niemand will mich.“
  • „Alle lästern über mich.“
  • „Das habe ich total verbockt.“

Kennst du diese Gedanken?

Wenn du dir diese Sätze anschaust, wirst du erkennen, dass ich nur Gedanken aufgelistet habe, die überwiegend erst NACH einer Zurückweisung aufkommen würden.

Tatsächlich funktioniert das Gehirn so, dass es diese Gedanken auch schon VOR einer Zurückweisung produziert. Du stellst dir schon mal präventiv vor, was alles passieren wird, wenn dein Vorhaben schiefläuft und du zurückgewiesen wirst.

Das erzeugt: Größte Angst.

Bevor eine Person dich zurückweisen kann, hast du dich schon selbst durch deine Gedanken selbst zurückgewiesen.

Das, wovor du wirklich Schiss hast, ist nicht die Reaktion deines Gegenübers. Du hast Schiss vor dir selbst, vor deiner eigenen ausufernden Reaktion, wie du dich selbst niedermachen wirst.

Wo kommen diese Gedanken her?

Diese Gedanken sind in jedem Menschen drin. In dem einen sind sie stärker vorhanden, im anderen weniger. Doch jeder Mensch hat Gedanken der Selbstzurückweisung.

In meiner Erfahrung können wir diese Gedanken durch erlebte Gegenbeispiele abschwächen.

Angenommen, ich habe Gedanken wie: „Keiner mag mich“ wird dieser Gedanke umso schwächer, je mehr ich von anderen höre, was für ein toller Mensch ich sei.

Wirklich ausgehoben wird dieser Gedanke allerdings nicht.

Kennst du das, wenn du ein Kompliment bekommst und du es einfach nicht glauben kannst?

„Du siehst heute wirklich toll aus.“

Und du denkst dir nur: „Der will was von mir.“ „Die will mich nur aufbauen.“ „Das war ironisch gemeint.“ „Die will ja nur nett sein.“

Du kannst das Kompliment einfach nicht annehmen.

Solange der Gedanke „Keiner mag mich“ in mir aktiv ist und ich diesen nicht von der Wurzel aus behandelt habe, werde ich mir immer wieder selbst ins Knie schießen und das Lob in mir drin sabotieren.

Das Ende der Selbstzurückweisung

Sobald du von den Gedanken ablässt, die dich in diesen Momenten quälen, wird die Angst vor dir ablassen.

Es bedeutet nicht automatisch, dass andere Menschen dich nicht mehr zurückweisen werden.

Doch sollte eine Person „Nein“ zu dir sagen, kannst du es einfach als ein „Nein“ annehmen. Es bedeutet nicht mehr, dass du ein hässlicher, dummer, nichtsnutziger Idiot bist.

Es bedeutet einfach nur: Nein.

Tatsächlich machst du es dir gleichzeitig sehr viel einfacher, eine andere Person von deinem Vorhaben zu überzeugen. Sobald du ruhig, innerlich ausgeglichen und präsent bist, kann dir jemand anders sehr viel besser vertrauen.

Deine innere Entspannung überträgt sich auf andere. So entsteht ein positives, konstruktives Klima und es können echte Lösungen gefunden werden.

Sobald du anfängst, deine Gedanken von der Wurzel an zu hinterfragen und sie auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, wirst du aufhören, dich selbst zurückzuweisen.

Du weißt nicht, was passieren wird. Es kann genauso gut positiv ausgehen. Es ist sogar um ein 10-faches wahrscheinlicher, dass dein Mut belohnt wird. Es ist um ein 100-faches wahrscheinlicher, dass dich nicht alle für dumm danach halten. Und es ist um ein 1000-faches wahrscheinlicher, dass nicht die GANZE WELT davon erfahren wird.

Bleib real. Komm zurück in die Realität. Überprüf deine Gedanken und fang an zu leben.

Bis dahin,

Dein Freund, Timo

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